„Ich helfe Frauen dabei, ihr Business aufzubauen.“ Lies dir den Satz laut vor. Jetzt tausch ein paar Wörter aus: „Ich helfe Mamas dabei, sichtbar zu werden.“ „Ich unterstütze Frauen dabei, ihre Positionierung zu finden.“
Merkst du was? Der Satz bleibt gleich leer, egal welche Wörter du einsetzt.
Genau das ist das Problem. Nicht deine Arbeit. Nicht deine Ergebnisse. Der Satz, mit dem du dich vorstellst.
Warum „Ich helfe X dabei, Y zu erreichen“ dich unsichtbar macht
Der Satz beschreibt eine Funktion. Keine Person. Du könntest deinen Namen streichen und den einer x-beliebigen anderen Mentorin einsetzen – er würde immer noch stimmen. Genau das macht ihn unsichtbar: Er hat keine Kanten, an denen sich jemand festhalten kann.
Deine Wunschkundin scrollt an so einem Satz vorbei. Nicht, weil sie kein Interesse hat. Sondern weil ihr Gehirn ihn längst als Rauschen abgespeichert hat. Sie hat ihn schon hundertmal gelesen, nur mit anderen Namen davor.
Schau dir eine x-beliebige Mama Coach auf Instagram an. „Ich begleite Mamas dabei, ihr Traumleben zu leben.“ Genau dieser Satz steht heute unter tausenden Profilen, wortgleich oder fast wortgleich. Jede von ihnen könnte den Namen der anderen einsetzen, und niemand würde den Unterschied merken. Nicht, weil diese Frauen austauschbar sind. Sondern weil ihr Satz keine einzige Kante hat, an der man sie erkennen könnte. Sobald dein Satz auch für jede andere Anbieterin in deiner Branche stimmen würde, hast du keine Positionierung. Du hast eine Berufsbezeichnung.
Der Fehler liegt nicht in deiner Nische, sondern in der Frage, die du dir stellst
Die meisten Mamas, die an ihrer Positionierung arbeiten, fragen sich: Wen will ich erreichen, und worüber spreche ich? Zielgruppe plus Thema. Das ist eine Marketing-Übung – und sie erklärt, warum am Ende fast jede Positionierung gleich klingt. Es gibt nur endlich viele Zielgruppen und endlich viele Themen. Irgendwann wiederholt sich jede Kombination.
Die eigentliche Frage kommt vorher: Wer bist du? Nicht dein Titel. Nicht deine Ausbildung. Die Frau, die hinter dem Angebot steht. Erst wenn das geklärt ist, wird aus einer generischen Nischenbeschreibung eine Positionierung, die niemand kopieren kann – weil niemand deinen Weg gegangen ist.
Meine eigene Positionierung ist nicht am Reißbrett entstanden
Als ich 2019 in Elternzeit gestartet bin, hab ich Mamas begleitet, die ihre Elternzeit verlängern wollten – mit einem kleinen Business nebenbei. Das war meine Positionierung damals. Und sie war richtig. Für die Frau, die ich zu dem Zeitpunkt war.
Mit meinem zweiten Kind ist mein eigener Anspruch gewachsen. Heute begleite ich Mamas, die schon ein Business haben und planbar verkaufen wollen. Nicht, weil ich mir das ausgedacht habe. Sondern weil ich selbst durch beide Phasen gegangen bin. Ich weiß, was am Anfang reicht und was später kommt – und genau das macht meine Positionierung heute glaubwürdiger als eine, die nur aus der Endstufe heraus entwickelt wurde.
Deine Positionierung darf sich verändern. Sie muss sogar. Aber sie darf nie aus einer Vorlage kommen. Sie kommt aus deinem Weg.
Drei Fragen, die deine Positionierung wieder nach dir klingen lassen
- Was ist dein echter Weg – nicht der Titel, sondern die Erfahrung? Nicht: „Ich bin zertifizierte Business-Mentorin.“ Sondern: „Ich hab mein erstes Angebot mit Baby in der Trage verkauft.“ Die Erfahrung ist es, die niemand kopieren kann. Der Titel schon.
- Wogegen positionierst du dich? Jede klare Positionierung hat eine Kante. Etwas, das du bewusst nicht machst, obwohl der Markt es predigt. Wofür sagst du inzwischen Nein? Das ist oft aussagekräftiger als das, wofür du Ja sagst.
- Wie klingst du, wenn du niemandem gefallen musst? Die meisten Positionierungssätze sind so geschrieben, dass niemand widersprechen kann. Genau deshalb interessieren sie auch niemanden. Eine Positionierung, die wirkt, darf auch mal jemanden aussortieren.
Eine gute Positionierung polarisiert nicht aus Prinzip. Aber sie nimmt in Kauf, dass sich nicht jede angesprochen fühlt. Wer für alle spricht, wird von niemandem gehört.
Woran du erkennst, dass deine Positionierung austauschbar ist
- Der Namenstest: Du könntest deinen Namen gegen den einer Kollegin tauschen, und der Satz würde noch stimmen.
- Kein Bild im Kopf: Wenn du deinen Positionierungssatz laut liest, fällt dir selbst kein konkretes Bild dazu ein.
- Die Wörter, die jede benutzt: „Ganzheitlich“, „authentisch“, „Herzensbusiness“ – Wörter, die niemanden mehr erreichen, weil sie alle benutzen.
- Der Wiedergabe-Test: Deine Wunschkundin könnte nicht in eigenen Worten sagen, was du machst, wenn du sie danach fragst.
- Die Angst vor der Präzision: Du spürst, dass du konkreter werden müsstest, traust dich aber nicht – aus Angst, dass dann „weniger Leute passen“.
Identität first, Umsetzung folgt
Positionierung ist keine Übung, die du einmal machst und abhakst. Sie ist die Antwort auf eine Frage, die tiefer liegt als Marketing: Wer bist du, wenn du dich nicht mehr verstellst? Diese Antwort verändert sich mit dir. Deshalb darf sich auch deine Positionierung verändern.
Aber sie fängt immer am gleichen Punkt an. Nicht bei der Zielgruppe. Nicht beim Angebot. Bei dir.
Du musst nicht lauter werden, um gefunden zu werden. Du musst wieder wie du klingen. Das ist der Unterschied zwischen unsichtbar und unverwechselbar.